Massenentlassung · Kündigungswelle
67 Zustellungen an einem Tag sind ein Vorgang, nicht 67 Aufträge.
Bei einer Welle entscheidet nicht die einzelne Fahrt, sondern die Planung davor: ein Stichtag, eine vorab abgestimmte Route, ein Ansprechpartner – und am Ende so viele einzelne Protokolle, wie es Empfänger gab. Jedes davon muss für sich Bestand haben.
Größte Welle bisher: 67 Zustellungen an einem Tag, bundesweit, mit eigenen Kurieren und festen Partnern, die seit Jahren für uns fahren.
Warum eine Welle etwas anderes ist als eine Fahrt
Eine einzelne Zustellung hat einen Weg und ein Ergebnis. Eine Welle hat einen Termin, an dem alles gleichzeitig stimmen muss.
Bei einer Zustellung ist der Kurier entweder da oder nicht. Bei dreißig ist er an dreißig Türen – und jede dieser Türen hat ihre eigene Uhrzeit, ihre eigene Anfahrt und ihr eigenes Protokoll. Wer das als dreißig Einzelaufträge bucht, bekommt dreißig Ergebnisse zu dreißig verschiedenen Zeitpunkten und niemanden, der den Überblick behält.
Dazu kommt: Ein Stichtag ist selten frei gewählt. Er hängt an Fristen, an einer Anhörung, an einem Sozialplan. Verschiebt sich eine Zustellung um einen Tag, verschiebt sich für diesen einen Empfänger die ganze Rechnung. Deshalb planen wir eine Welle nicht vorwärts von der Abholung, sondern rückwärts vom Stichtag.
Ein Stichtag, eine abgestimmte Route
Die Route steht vor dem Tag, nicht an dem Tag. Sie wird mit Ihnen abgestimmt, bevor der erste Kurier losfährt.
Ein Ansprechpartner mit Durchwahl
Sie sprechen mit der Disposition, die die Kuriere disponiert – kein Ticketsystem, keine wechselnde Hotline.
Ein Protokoll je Empfänger
Mit Zeitpunkt, Ort, Foto und der Augenscheinnahme der Betreffzeile. Jedes für sich verwendbar – so sieht eines aus.
Vertraulichkeit bis zum Stichtag
Die Kuriere bekommen die Adressen erst am Zustelltag. Bis dahin weiß niemand, wohin die Fahrt geht.
Wie rückwärts vom Stichtag geplant wird
Der Stichtag ist der einzige feste Punkt. Alles andere ergibt sich daraus – und wird vorher festgelegt, nicht unterwegs entschieden.
Der Stichtag steht
Sie nennen den Tag, an dem die Schreiben bei den Empfängern sein müssen. Von dort rechnen wir zurück: Zustellfenster, Anfahrten, Abholung.
Anzahl und Lage der Adressen
Daraus ergibt sich, ob ein Kurier genügt oder mehrere parallel fahren. Zwölf Empfänger im Stadtgebiet sind eine Tour. Zwölf Empfänger in sechs Bundesländern sind sechs Touren, die am selben Tag laufen.
Die Abholung
In der Regel an einer Stelle, meist in der Personalabteilung, im offenen Umschlag mit Augenscheinnahme vor dem Verschließen. Fallen Abholung und Zustellung auseinander, wird verschlossen transportiert und die Augenscheinnahme erfolgt unmittelbar vor der Zustellung durch den zustellenden Kurier.
Die Route wird abgestimmt
Sie sehen vor dem Stichtag, wer wann wo ist. Wenn einzelne Empfänger zuerst oder zuletzt an der Reihe sein sollen, ist das der Moment, es zu sagen.
Der Stichtag
Die Kuriere fahren mit den Adressen, die sie an diesem Morgen bekommen. Jede Zustellung wird einzeln protokolliert.
Die Rückmeldung
Was nicht klappt, hören Sie am selben Tag – nicht in der Sammelabrechnung am Monatsende.
Wenn eine Adresse nicht stimmt
Bei fünfzig Anschriften aus einem Personalsystem ist fast immer eine dabei, die nicht mehr aktuell ist. Das ist kein Ausnahmefall, sondern der Normalfall – und deshalb ist es eingeplant.
Falsche Anschrift, kein Briefkasten, kein Namensschild, Neubau ohne Klingelanlage: Der Kurier meldet es sofort an die Disposition, und die Disposition meldet es an Sie – noch am selben Tag, nicht am Ende der Tour. Sie können dann entscheiden, solange der Tag noch läuft: eine korrigierte Anschrift nachreichen, einen zweiten Versuch beauftragen oder es beim protokollierten Fehlversuch belassen.
Denn auch der gescheiterte Versuch ist ein Nachweis. Sie bekommen ein Protokoll mit Zeitstempel, Fotos und der Beschreibung dessen, was der Kurier vorgefunden hat. Damit wissen Sie, woran es lag – und können den nächsten Schritt begründen, statt zu raten.
Was vor unserer Fahrt passieren muss
Bei einer Massenentlassung liegt der schwierigste Teil vor der Zustellung. Wir nennen ihn hier, weil er den Stichtag bestimmt – nicht, weil wir ihn für Sie erledigen könnten.
Die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses bedarf der Schriftform; die elektronische Form ist ausgeschlossen (§ 623 BGB). Sie wird erst wirksam, wenn sie dem Empfänger zugeht (§ 130 Abs. 1 BGB) – und wer sich auf den Zugang beruft, muss ihn im Streitfall voll beweisen (§ 286 ZPO).
Deshalb fährt überhaupt jemand: Ein Papier, das zugehen und beweisbar zugegangen sein muss, kann niemand mailen.
Anzeige bei der Agentur für Arbeit
§ 17 Abs. 1 KSchG verpflichtet den Arbeitgeber, die Entlassungen anzuzeigen, bevor er sie ausspricht – gestaffelt nach Betriebsgröße: bei in der Regel mehr als 20 und weniger als 60 Beschäftigten ab mehr als 5 Entlassungen, bei mindestens 60 und weniger als 500 ab 10 Prozent oder mehr als 25, bei mindestens 500 ab 30 – jeweils innerhalb von 30 Kalendertagen.
Beteiligung des Betriebsrats
Vor jeder einzelnen Kündigung ist der Betriebsrat anzuhören; eine ohne Anhörung ausgesprochene Kündigung ist unwirksam (§ 102 Abs. 1 BetrVG). Bei einer anzeigepflichtigen Massenentlassung kommt die rechtzeitige Unterrichtung und Beratung nach § 17 Abs. 2 KSchG hinzu.
Beides gehört vor die Zustellungen. Wann Sie den Stichtag setzen können, ergibt sich also nicht aus unserer Tourenplanung, sondern aus Ihrem Verfahren. Sagen Sie uns den Tag, sobald er steht – die Route bauen wir darum herum.
Diese Hinweise geben den Gesetzeswortlaut in Kürze wieder und ersetzen keine Rechtsberatung. Ob und in welcher Form die Pflichten in Ihrem Fall greifen, klären Sie bitte mit Ihrer Rechtsabteilung oder Ihrer Kanzlei. Was daraus für den Zugang folgt, steht auf der Seite Rechtslage.
Häufige Fragen zur Welle
Ab wie vielen Empfängern ist es eine Welle?
Ab 3 Zustellungen an einem Stichtag planen wir als Welle – also mit abgestimmter Route, einem Ansprechpartner und Rückmeldung am selben Tag. Für eine oder zwei Zustellungen ist der normale Angebotsweg schneller.
Wie viele Zustellungen schaffen Sie an einem Tag?
Die größte Welle, die wir bisher an einem Tag zugestellt haben, umfasste 67 Zustellungen, bundesweit verteilt. Was in Ihrem Fall an einem Tag zu halten ist, hängt an der Lage der Adressen – das sagen wir Ihnen am Telefon, bevor Sie den Stichtag festzurren.
Müssen wir Ihnen die Empfängerliste mit der Anfrage schicken?
Nein. Für die Anfrage genügen Anzahl, Stichtag und die grobe Lage der Empfänger. Namen und Anschriften brauchen wir erst für den Auftrag – und dafür nennen wir Ihnen im Telefonat einen sicheren Weg. Bitte schicken Sie uns auch kein Dokument vorab mit.
Erfahren die Kuriere vorab, worum es geht?
Die Adressen gehen erst am Zustelltag an die Kuriere. Der Kurier sieht die Kopfzeile bis einschließlich der Betreffzeile – also zum Beispiel „Kündigung des Arbeitsverhältnisses". Der Text darunter wird weder gelesen noch erfasst noch gespeichert.
Bekommen wir ein Sammelprotokoll oder einzelne?
Einzelne. Ein Zustellvorgang, ein Protokoll – sonst wäre im Streit um einen einzelnen Empfänger das ganze Bündel im Verfahren. Eine Übersicht über die Welle bekommen Sie zusätzlich.
Was kostet eine Welle?
Das hängt an Anzahl, Lage der Adressen und Stichtag – eine Tour im Stadtgebiet ist etwas anderes als sechs parallele Touren in sechs Bundesländern. Deshalb steht hier kein Preis, sondern eine Rechnung: Sie nennen uns die Eckdaten, wir rufen an und rechnen den Fall.
Können wir den Stichtag noch verschieben?
Solange die Kuriere nicht disponiert sind, ist das meist möglich. Sagen Sie uns früh Bescheid – bei mehreren parallelen Touren hängt daran mehr als bei einer einzelnen Fahrt.
Nennen Sie uns die Zahl und den Stichtag.
Mehr brauchen wir für den Anfang nicht. Namen und Anschriften der Empfänger sind für die Anfrage nicht nötig – wir rufen an und klären den Rest im Gespräch.
Rückruf meist binnen zwei Stunden, spätestens am selben Werktag. Ein Angebot ist unverbindlich; der Vertrag kommt erst mit unserer Auftragsbestätigung zustande (§ 1 unserer AGB).